Abi 1986 am Goethe-Gymnasium – klingt lang her? Ist es auch. Am 20. Juni 2026 haben wir unser 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Okay, mathematisch gesehen waren wir ein paar Tage zu spät. Unser mündliches Abi endete schließlich am 10. Juni 1986, und die Zeugnisse gab es acht Tage später im Gemeindehaus St. Josef. Aber nach vier Jahrzehnten nimmt man es mit den Fristen nicht mehr so genau. Damals waren wir 67 Abiturienten. Exoten waren wir auch: Wer sonst konnte schon mit Leistungskursen in Latein und Politik glänzen?
Für die Zahlen- und Nerd-Fraktion gab es natürlich Mathe und Physik, aber der wahre Kuschelkurs fand in Bio, Geschichte und Erdkunde statt.
Wie passend, dass uns bei unserer Stippvisite am GGG ausgerechnet Jürgen Schneider über den Weg lief – ein Erdkundelehrer aus Leidenschaft. Das bewies nicht nur sein T-Shirt, das die Topografie der Erde zeigte (wenn auch geografisch nicht ganz winkeltreu). Doch Herr Schneider kann nicht nur Kontinente, sondern auch Chemie: Spontan zog er für uns eine hochexplosive Chemie-Show ab. Es fühlte sich sofort an wie damals: Keiner hatte die Hausaufgaben gemacht, und alle quatschten durcheinander. Nur eines war völlig neu: Am Ende gab es tosenden Applaus für den Lehrer.
Den hatte er sich auch verdient. Aus dem Zufallstreffen wurde eine einstündige Zeitreise durch die Schule, die uns Babyboomer kollektiv staunen ließ. Das Goethe ist heute modern, fast schon luxuriös. Es gibt individuelle Strom- und Gasanschlüsse im Chemiesaal und echte Sofas im Hauptgebäude. Der steile, amphitheater-ähnliche Physiksaal von früher? Geschichte. Heute ist alles flach und bequem. Fast ein bisschen zu komfortabel für unsere alten Knochen. Mit Alice Cooper und Arnold Schwarzenegger sagen wir deshalb: School’s out, aber We’ll be back. Wir kommen wieder. Und das vermutlich ziemlich bald. Schließlich wollen wir Herrn Schneider wiedersehen. Der Witz an der Sache: Er hat genauso lange sein Abi in der Tasche wie wir.
Während er aber noch die Stellung hält, biegt unser Jahrgang so langsam, aber sicher in Richtung Rente ab. Die Einschläge kommen näher, die Zeit wird kostbarer. Oder wie der Latein-Professor in unseren Reihen sagen würde: Carpe diem – nutze den Tag. Bevor uns die Puste für das Feiern ausgeht.
Reiner Braun




