Podiumsdiskussion zur Ausstellung „1948″

Eine Ahnung davon, wie erbittert der Konflikt im Nahen Osten geführt wird, zeigte eine Podiumsdiskussion am Goethe-Gymnasium zwischen dem Kurator der Ausstellung „1948 – Staatsgründung Israels“, Dr. Oren Osterer, und einem Ausstellungskritiker, Felix Schweikhardt aus Karlsruhe. Am Dienstag, 20. November 2018, lieferten sich beide  Diskutanten eine spannende Debatte über die wissenschaftliche Qualität der Ausstellung. Die Veranstaltung wurde von Olaf Bernhardt und Joerg Hainer moderiert.

Felix Schweikhardt warf der Ausstellung in seinem Eingangsreferat vor, Propagandazwecken zu dienen. Er sieht in der Ausstellung eine einseitige Darstellung der Geschichte des Volkes Israels und bemängelt, dass die potentiellen Widersacher Israels in ein durchgängig schlechtes Licht gerückt werden. Er werfe der Ausstellung keine direkte Falschdarstellung vor, jedoch durch Weglassung und Manipulationstechniken eine bewusste Geschichtsverzerrung, unterstrich Schweikhardt. Damit würden die Ausstellungsmacher dem Friedensprozess im Nahen Osten einen Bärendienst erweisen. Massaker habe es im Kampf um die Unabhängigkeit auch auf israelischer Seite gegeben. Abschließend rief Felix Schweikhardt zu einer vielseitigen, aufklärerischen und versöhnlichen Ausstellung auf.

Dr. Oren Osterer beklagte sich in seinem Vortrag darüber, dass in Deutschland viel Halbwissen über die Thematik bestehe. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, das israelische Volk habe sich „kolonialistisch“ des Landes Palästina bemächtigt. „Wer soll denn die Kolonialmacht gewesen sein – wenn nicht einige friedliche Siedler?“ Palästina sei dünn besiedelt gewesen und erst nachdem jüdische Siedler das Land schrittweise urbar gemacht hätten, sei die Bevölkerungszahl auch auf Seiten der arabischen Bevölkerung gestiegen – vor allem übrigens, betonte Dr. Oren Osterer, in jüdisch geprägten Städten. Er stellte die These auf, dass sich die Araber in Palästina lange Zeit nicht als eigenes Volk verstanden hätten. Erst ab 1967, in Folge des Sechstagekrieges, sei ein Bewusstsein von einem eigenständigen palästinensischen Volk entstanden. Diese Nationenbildung sei maßgeblich von Ägypten gefördert worden. Heute könne die Existenz eines palästinensischen Volkes jedoch nicht mehr angezweifelt werden. Dr. Oren Osterer betonte, wie schön es hätte sein können, hätten die arabischen Staaten nicht fortdauernd den Konflikt kriegerisch eskalieren lassen und sich gegen sämtliche Friedensbemühungen gestellt. In einer mangelnden Versöhnungsbereitschaft im Gaza-Streifen und der kontraproduktiven Arbeit der UNRWA (UN-Flüchtlingswerk für Palästina) sieht er heute einen wesentlichen Hemmschuh für den Friedensprozess. Weiterhin forderte er die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels.

Spannend wurde es in der offenen Runde, weil viele Schülerinnen und Schüler die Chance nutzten, direkte Anfragen an die Referenten zu richten, z.B. über die historische Bedeutung des „Plan Dalet“. Einigkeit zwischen beiden Referenten bestand in der Anerkennung des Existenzrechts des Staates Israel und in der Einschätzung, dass sich dieser angesichts einer eminenten Bedrohungslage bis heute keine militärische Niederlage leisten könne.

 

 

Podiumsdiskussion zur Ausstellung „1948″